Erfahrungsbericht

Es ist nun ein gutes Jahr vergangen, seidem ich das erste Mal auf Hannelores Atelierschwelle stand, auf ihrem Sofa Platz nahm und mich von ihr in eine Frau verwandeln ließ. Vom ersten Moment an fühlte ich mich sehr gut aufgehoben und war stets s... weiter lesen

Gäste aus dem Atelier

Meine Verwandlung zur Frau

Bei unserem fortschrittlichen (?) Gesetzgeber und in gewissen anderen Kreisen gibt es nur ein Schwarz-Weiß-Denken, also ein Entweder-Oder. So ist man bei der Geburt ein Knabe oder ein Mädchen; basta! Die Natur jedoch kennt keine 100%-ige Lösung, sondern entwickelt sämtliche Zwischenstufen. So, wie jeder Mann hat auch jede Frau einen gewissen Anteil des anderen Geschlechtes in sich. Der Eine mehr, der Andere weniger, bis der Betroffene auf die andere Seite kippt. Diese Entwicklung kann von Jugend an schon deutlich vorhanden sein, oder sich auch mit der Zeit entwickeln. So war bei mir das Zweitere der Fall, auch wenn ich hin und wieder früher im Geheimen Damenunterwäsche ausprobierte. Ein erster Schub in Richtung Crossdressing erfolgte nach einer erfolgreichen Prostataentfernung wegen eines Karzinoms mit anschließender und sechsmaliger therapeutischer Behandlung mit Östrogenen während einem Jahr. Dadurch verlor ich praktisch sämtliche Haare an Brust und in der Achsel, heute, da ich dem CD fröne, ein großer Vorteil. Auch hatte ich schon etliche Jahre Schmerzen an der Lendenwirbelsäule, hervorgerufen durch totale Verhärtung der tieferen Muskelschichten, die ohne Medikamente und Physiotherapie kaum mehr ertragbar waren. Diese verschwanden plötzlich rasch nachdem mir ein älterer Physiotherapeut in Holland riet, morgens die Wirbelsäule nicht sofort voll zu belasten und deshalb jeweils bis zu einer halben Stunde auf den Zehenballen zu gehen. Zur Unterstützung dazu solle ich doch Highheels tragen. Gesagt, getan und so kam ich rasch auf den Genuss, zu Hause Schuhe mit hohen Absätzen zu tragen, Zuerst täglich bis zu einer Stunde und später suchtmässig - mit Absätzen von 15-cm - bis zu 14 Stunden. Dies selbstverständlich mit dünnen Nylonstrümpfen. So war mein späterer Weg zum CD vorgezeichnet und ich begann mir darüber gewisse Gedanken zu machen. So stellte ich mir eine Verwandlung in eine Frau unter dem Aspekt des Femininen so vor. Zu einer eleganten Frau gehören für mich mindestens mittellang lackierte Fingernägel, mittelstarkes Makeup, schulterlange Haare, frauliche Kleidung - Röcke über dem Knie endend - und Stöckelschuhe, also richtige Highheels. So beobachtete ich gerne auf der Straße vorbeigehende Frauen und fand bald, dass eine Frau mit dünnen Beinen besser flache Schuhe tragen sollte, denn Beine wie Bohnenstangen sehen unnatürlich aus. Dies gilt auch für dickere Beine wo lediglich kleine Absätze auf Männer wirken. Die Form der Waden dazwischen aber eignet sich sehr für Schuhe mit hohen Absätzen. So war ich für mich auf dem richtigen Weg und begann im Internet zu recherchieren, bis ich plötzlich auf die Seite des „Atelier Changeable“ aus Dresden stieß. Diese Internet-Seite ließ mich nicht mehr los, sodass ich bald darauf eine Anfrage für einen viertägigen „en femme - Tag“ wegsandte, der mir dann auch bestätigt wurde. Nach einigen Mails und Telefonaten nahm ich eines Sonntags die knapp 500 kilometerlange Fahrt aus dem Süddeutschen Raum nach Dresden unter die Räder, wo ich zunächst von Tina in der heimeligen Pension Märchenbrunnen freundlichst empfangen wurde. Da sie früher auch im Atelier engagiert war, entstanden sehr rasch gute Gespräche über das ganze Gebiet des Crossdressings. So stellten wir rasch fest, dass fast ausschließlich Männer sich dem Crossdressing hingeben; die Frauen haben dies ja nicht mehr nötig, da ein recht ansehnlicher Teil von Ihnen täglich crossdressed auf die Straße, zur Arbeit oder zum Einkauf geht, dabei lediglich ihr femininen Gesicht behalten.

Und am nächsten Morgen stand dann die sympathische Hannelore von Atelier vor mir und entführte mich direkt in das Nagel-Studio, wo ich die nötige Maniküre herhielt. Kein erstaunter Blick oder irgendwelche Bemerkung, dafür tadellose Arbeit. Ich war beeindruckt. Daraufhin ging es ins Atelier zum Makeup und zur Einkleidung. Hannelore leistete tolle Arbeit, bezeugte sie mich doch, dass eine elegante Frau sich nicht auffällig schminke oder kleide. Auch die Höhe meiner Highheel-Vorstellung wurde auf die Hälfte reduziert. Auf meinen fragenden Blick wurde ich darauf hingewiesen, dass für längere Spaziergänge Schmerzen an den Füssen vorprogrammiert wären. So entführte mich dann Katrin auf meinen ersten Spaziergang als Frau in die Stadt zur Besichtigung aller Graffitis entlang der Bahnlinie mit anschließendem Einkauf in einem Lebensmittelgeschäft. Am zweiten Tag ging es dann in die sächsische Schweiz auf die Bastei. Auch hier beriet mich Hannelore auf liebenswerte Weise, auf Schuhe mit Absätzen zu verzichten, diese jedoch für ein Foto-Shooting mitzunehmen. Und wie recht sie hatte. In höheren Absätzen wäre ich aufgefallen, denn alle trugen flache Schuhe; auch wäre ich des Öftern auf den unebenen Wegen auf dem Boden gelandet. Diese zog ich aber am Abend an um Katrin zu einem Fischessen auszuführen. Bei Katrin keine Gegenwehr, sie ließ mich gewähren. Nun, der Weg vom Auto zum Restaurant brachte mir mit den hohen Absätzen doch einige Schmerzen ein, die sich im Verlaufe des Abends sehr intensivierten. Mit meinem schmerzverzehrten Gesicht gingen wir dann zum Wagen zurück, wo sich Katrin dann dahingehend äußerte, dass sie es bewusst unterließ, den Wagen zu holen und mich vor dem Restaurant einsteigen zu lassen, denn nur, wenn ich es am eigenen Leibe erfahre, was es für eine Frau bedeute, längere Zeit hochhackig herum zu gehen, würde ich verstehen, wieso solche Schuhe nur für elegante Anlässe geeignet sind. Besten Dank Katrin für Deine kluge Belehrung. Es ist doch ein großer Unterschied, ob man mit 15-cm Absätzen in der Wohnung herumstolziert oder dann nach draußen geht. So war ich an den beiden nächsten Tagen auf die halbe Höhe eingespielt und verbrachte dann eine schmerzfreie Zeit bei der Besichtigung von Meißen und Dresden. Den Abschluss bildete der Besuch der Semperoper in eleganter Kleidung und 10-cm Stöckelschuhen, die wir bei Deichmann extra dazu einkauften. So endete dann mein wirklich toller Aufenthalt dank Hannelore und Katrin des „Atelier Changeable“. Für mich war es ein wunderbares Erlebnis vier Tage lang als Frau zu leben. Nirgends wurde ich angestarrt und es fielen nie unangebrachte Bemerkungen. Ich wurde voll und ganz als Mensch, vor allem als Frau in Dresden angenommen. So löste sich die anfängliche Nervosität sehr rasch auf und ich fühlte mich frei und losgelöst von meinem eigenen „Ich“. Es war ein Gefühl absoluter Freiheit.

Mir bleibt am Schluss nur noch, alle liebgewonnen Personen, vorab Hannelore und Katrin, aber auch Tina sowie der Nail-Designerin herzlichst zu danken. Es war für mich einfach so wunderbar, dass ich bald wieder für einen Aufenthalt „en femme“ zurückkehren werde.

Eure Tatjana-Tamara